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Über mich

So geht meine Geschichte...

Seit mehr als vierzig Jahren lebe ich im Lesen – nicht nur von Büchern, sondern von der Welt selbst. Ich habe Germanistik und Pädagogik studiert, in verschiedenen beruflichen Feldern gearbeitet, fünf Söhne großgezogen und gemeinsam mit meinem Mann ein literarisches Hotel gegründet: einen Ort, an dem Schriftsteller, Ideen und Gespräche über Kunst, Sprache und gelebte Erfahrung zusammenkommen konnten. Dieser Raum weitete sich von der Literatur hin zu Musik, Theater, Malerei und zunehmend auch zur stillen Praxis des Heilens.

Meine Arbeit ist von einer einfachen, aber anspruchsvollen Überzeugung getragen: Die Welt ist lesbar. Nicht nur in Texten, sondern in Landschaften, Wetterphänomenen, Gesten, Körpern, Zufällen und der subtilen Grammatik der Natur. Der Himmel hat Syntax. Orte tragen Bedeutung. Pflanzen, Muster und selbst scheinbare Zufälle bilden eine Sprache der Zeichen. In der Naturbeschreibung, der Philosophie und den alten Traditionen der Signaturenlehre habe ich gelernt, diese Phänomene als kohärente Systeme zu lesen – als Sprachen, die wie Worte gelernt, gedeutet und verstanden werden können.

Im Zentrum steht dabei die Narration. Wir beschreiben die Realität nicht nur – wir leben in Geschichten. Und diese Geschichten sind niemals willkürlich. Sie sind strukturierte, oft verborgene Sinnsysteme, die Wahrnehmung, Entscheidungen und Lebenswege prägen. Jede Erfahrung gehört zu einem größeren narrativen Feld. Richtig zu lesen bedeutet daher, Muster, Brüche und Zusammenhänge zu erkennen – und zu fragen, welche Geschichte erzählt wird und ob sie noch stimmt.

Diese Einsicht veränderte auch mein eigenes Schreiben. An einem Punkt geriet ich beim Versuch, meinen Roman zu vollenden, in eine Blockade, bis ich verstand, dass nicht die Sprache das Problem war, sondern die zugrunde liegende Erzählung meines eigenen Lebens. Um den Text zu verändern, musste ich die Geschichte meines Selbst neu lesen. Daraus entstand ein tieferes Verständnis: Identität ist nicht fest, sondern wird durch Interpretation gebildet – und Interpretation kann sich wandeln.

Meine heutige Arbeit entsteht aus der Verbindung von Literatur, Philosophie und Heilung. Sie ist geprägt von über 4.000 gelesenen Büchern – jede ein eigener Blick auf das Sein –, von Homöopathie und der Signaturenlehre Paracelsus’, und vor allem von C. G. Jung, dessen Werk bis heute mein Denken prägt. Im Zentrum bleibt die Poesie: die Fähigkeit, mehrere Ebenen der Wirklichkeit gleichzeitig zu halten und Sichtbares und Unsichtbares miteinander sprechen zu lassen.

In Gesprächen und Reflexionen arbeite ich mit diesen Fäden wie mit einem Text: Ich stelle Fragen, die Strukturen sichtbar machen, öffne Räume des Neu-Lesens und begleite die Entstehung einer kohärenteren, lebbareren Geschichte. Denn Narrative sind niemals zufällig. Sie sind lebendige Sinnarchitekturen – und wenn sie sich verändern, verändert sich auch die Welt, die wir bewohnen.

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